Lehrbuch: Das Mindset

Was unser Mindset prägt Banner

Stell dir vor, du bist Trainerin, oder Trainer einer Fußballmannschaft. Dein Team liegt hinten. Eine schlechte Mannschaft würde jetzt komplett verzweifelt jedem Ball hinterherrennen und dadurch sehr schnell ausgepowert sein, oder mit gesenktem Kopf schon innerlich aufgegeben haben. Eine gute Mannschaft hingegen, würde ruhig bleiben und Gelegenheiten dann nutzen, wenn sie sich auftun. Dieses Vertrauen in sich selbst ist auch in anderen Situationen und Szenarien unglaublich wertvoll.
Das Fernstudium ist zwar eine ganz andere Geschichte, aber es kommt dabei ebenfalls auf die richtige Einstellung und den Glauben an das eigene Können an. Deine Denkweise bzw. innere Haltung, das sogenannte „Mindset“, bestimmt, wie du denkst, fühlst und handelst. Besonders im Fernstudium, mit seinen vielfältigen Herausforderungen, kann ein starkes Mindset den entscheidenden Unterschied machen und dir dabei helfen, deine Grenzen zu überwinden.
Doch nicht nur dein Mindset spielt eine Rolle - auch die Frage, wie viel Kontrolle du über deinen eigenen Erfolg empfindest, kann entscheidend sein. Siehst du dich selbst als verantwortlich für deinen Lernfortschritt, oder glaubst du, dass äußere Umstände über Erfolg und Misserfolg bestimmen? Diese Denkweise kann beeinflussen, wie du mit Herausforderungen umgehst - doch dazu später mehr.

1.1 Was unser Mindset prägt

Eben, weil unsere Denkweise einen so großen Einfluss auf unser Handeln und unseren Umgang mit Herausforderungen hat, ist es hilfreich, zu verstehen, wovon sie beeinflusst wird. Dazu zählen unsere bisherigen Erfahrungen, die Menschen in unserem Umfeld, unsere Erziehung und die Werte, die wir im Laufe der Zeit entwickeln. Diese Einflüsse bestimmen, wie wir Herausforderungen wahrnehmen und wie wir mit ihnen umgehen. Oft sind wir uns dieser Faktoren nicht bewusst, aber sie haben einen großen Einfluss darauf, wie wir die Welt und uns selbst sehen. Schauen wir sie uns genauer an:

Erfahrungen

Hast du in der Schule jemals eine Antwort vor der Klasse nicht gewusst und wurdest dafür ausgelacht? Solche negativen Erfahrungen können tief sitzen und dazu führen, dass wir uns auch heute noch unwohl fühlen, wenn unser Wissen abgefragt wird. Obwohl die schmerzhafte Erinnerung längst der Vergangenheit angehört und uns niemand mehr auslachen wird, bleibt die Angst oft bestehen. Wenn wir sie nicht bewusst erkennen und umwandeln, kann sie Prüfungssituationen unnötig schwerer machen.

Auch das Stellen einer Frage, für die du damals belächelt wurdest, kann einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dabei gibt es keine dummen Fragen - nur dumme Antworten. Die Neugier, etwas verstehen zu wollen, verdient Anerkennung und sollte gefördert werden.

Auf der anderen Seite können positive Erlebnisse unsere Einstellung zum Lernen auch positiv beeinflussen. Beispielsweise kann das Lösen einer schwierigen Aufgabe in einem Quiz, gefolgt von Applaus der Gruppe, unser Selbstvertrauen stärken und die Freude am Lernen fördern.

Welche Erfahrungen hast du in der Schule gemacht, und wie könnten sie dich in Bezug auf das Lernen geprägt haben?

Das Umfeld

Auch dein Umfeld hat einen großen Einfluss auf deine Denkweise. Wenn du von Menschen umgeben bist, die Studieren als Ausrede betrachten, um nicht arbeiten zu müssen, kann das unbewusst auch deine Sicht auf das Studium verändern. Andersherum fördern Menschen, die das Lernen schätzen und dich dabei unterstützen, deinen Ehrgeiz und deine Motivation.
Gerade im Fernstudium, wo der direkte Kontakt zu anderen oft fehlt, ist es besonders wichtig, sich aktiv mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Doch später mehr dazu.
Wie steht dein Umfeld zum Thema Fernstudium? Erfährst du Unterstützung von deinen Freunden, oder begegnen sie dir eher kritisch? Und vor allem: Wie sehr lässt du dich von diesen Meinungen beeinflussen?

Die Erziehung 

Unsere Erziehung hat ebenfalls einen großen Einfluss darauf, wie wir denken und Entscheidungen treffen. Besonders die Einstellung unserer Eltern zur Bildung prägt uns oft stärker, als wir das merken. Ihr eigener Bildungsweg und die Erwartungen, die sie an uns haben, können unser Mindset und unsere Sicht auf Lernen und Erfolg stark beeinflussen.
Vielleicht hast du schon einmal gezögert, einen höheren Bildungsweg einzuschlagen, weil du das Gefühl hattest, dass deine Eltern ihn nicht unterstützen oder sogar ablehnen würden. Manche Eltern identifizieren sich stark über ihren Beruf und wünschen sich, dass ihre Kinder in ihre Fußstapfen treten. Andere können diesen Weg nur schwer verstehen, da sie direkt nach dem Schulabschluss eine Ausbildung begonnen haben und das als sichere Wahl sehen. In beiden Fällen können innere Konflikte entstehen, die es dir schwer machen, deinen eigenen Weg zu gehen.

Positive und negative Überzeugungen aus der Erziehung

Die Überzeugungen, die wir von unseren Eltern übernehmen, können uns also stärken - oder einschränken. 
Beispiele für solche Überzeugungen sind:

Positive Überzeugungen

    „Bildung ist wichtig und hilft dir, deine Träume zu verwirklichen.“
    „Du kannst alles schaffen, wenn du an dich glaubst.“
    „Es ist okay, Fehler zu machen - Hauptsache, du versuchst es.“

Negative Überzeugungen
    „Unsere Familie war noch nie gut in solchen Dingen.“
    „Das ist zu schwer für dich, such dir etwas Einfacheres.“
    „Träum nicht zu groß, das Leben ist kein Wunschkonzert.“

Diese Überzeugungen begleiten uns oft unbewusst und können beeinflussen, wie wir über Herausforderungen und Erfolg denken. Daher ist es wichtig für das eigene Wachstum, diese Muster zu erkennen und zu hinterfragen.

Der eigene Weg

Sich von den Erwartungen der Familie zu lösen, kann schwierig sein - besonders, wenn du Angst hast, deine Eltern zu enttäuschen. Doch manchmal ist es nötig, um deinen eigenen Weg zu finden und dein volles Potenzial zu entfalten.
Wenn deine Entscheidungen auf Unverständnis stoßen und es immer wieder zu Konflikten kommt, kann ein offenes Gespräch helfen. Erkläre in Ruhe, warum du diesen Weg gewählt hast, und mache deutlich, dass es nicht darum geht, ihre Werte abzulehnen. Vielmehr geht es darum, einen Lebensweg zu finden, der dich erfüllt und glücklich macht.
Zeige ihnen deine Fortschritte, damit sie sehen, dass es dir wirklich wichtig ist und du aktiv daran arbeitest. Falls sie es trotzdem nicht nachvollziehen können, musst du für dich entscheiden, wohin du deine Energie lenkst - denn am Ende ist es dein Leben und deine Zukunft.

Werte

Wie du gesehen hast, prägen unsere Erfahrungen, unsere Umgebung und unsere Erziehung unsere Überzeugungen. Doch auch unsere inneren Werte spielen dabei eine entscheidende Rolle, wie wir über das Lernen und andere Aspekte des Lebens denken. Wenn du beispielsweise einen starken moralischen Kompass hast, könntest du das Lernen als Verpflichtung sehen, das Beste aus deinem Leben zu machen und einen positiven Beitrag zur Welt zu leisten. Es geht dann nicht nur um dich, sondern, welche Vision du für die Welt hast. Besonders, wenn du viele Ungerechtigkeiten in der Welt erkennst, können deine Werte dafür sorgen, dass du es besser machen möchtest.
Wenn wir an uns und unsere Vision glauben und überzeugt sind, dass wir uns weiterentwickeln können, fördern wir ein positives und flexibles Mindset. Negative Überzeugungen hingegen können unser Denken einschränken und unser Potenzial hemmen.
Deine Werte und Überzeugungen wirken also unmittelbar darauf, wie du Herausforderungen angehst und welche Ziele du erreichen kannst. Ein Mindset, dass auf Wachstum und Offenheit basiert, hilft dir, alte Denkmuster zu durchbrechen und neue Wege zu gehen.